053-Ortseinfahrt Seifertshofen
 a schwäbischa Wirtschaft
 
400 Jahre Stammtisch & Klagemauer

Ein Dorfgasthaus und seine Geschichte

Das hiesige schwäbische Wirtshaus war und ist schon immer weit mehr als nur ein Ort der Nahrungsaufnahme. So diente und funktionierte es seit jeher als Nachrichtenbörse, Diskussionsforum, Stammtisch und auch als Ausspracheort in so manchen Sorgen und Nöten. Somit ist, war und bleibt es ein wichtiger Grundstein für das Zusammenleben in einer Dorfgemeinschaft.
 
- aus der Geschichte
 
Gültbucheintrag von 1611
 
Schon fast 400 Jahre geht die Geschichte des Gasthauses zurück. Im Buch „von Bauern, Zünften und Gewerbeleuten in Mittelschwaben“ wird erwähnt, dass schon im Jahre 1611 ein Eintrag im Gültbuch (Steuerliste) besteht. Dieser weist auf ein Wirtsgut und eine Taverne mit Brauereigerechtigkeit in Ebershausen mit der ehemaligen Nr. 40 (heute Babenhauserstr. 14) hin.
Von 1497 bis 1803 war der Ort Ebershausen in Besitz des Klosters der Franziskanerinnen von Klosterbeuren bei Babenhausen. Damals ging die zum Haus gehörende Taverne in das Eigentum des Klosters über, so ebenfalls im oben genannten Buch.
 
Die Brauerei mit Gasthaus um 1900
 
Heute sind bis ins 18. Jahrhundert zurück die Besitzer namentlich bekannt. 1795 wird Michael Lippert aus Dietkirch als Besitzer geführt. Michael Lippert  ist am 23.9.1766 geboren und heiratete am 5.7.1786 Maria Donderer aus Kirrberg. Aus dieser Ehe gingen 9 Kinder hervor. Die zweite Tochter Lippert Genovefa geb. am 29.3.1801, heiratet um 1820 Johann Nepumuk Buchmiller aus Buch und übernimmt die Gaststätte in Ebershausen. Diese Ehe blieb aber kinderlos. Deswegen wurde das Anwesen um 1825 verkauft an Johann Michael Harder von Unterwiesenbach. Er heiratete noch im selben Jahr Maria Anna Bader von Sausenthal.
 
Sieben Jahre später 1832 verstirbt Harder und dessen Witwe Maria Anna heiratete dann Franz Xaver Brutscher von Bellenberg der die Gaststätte samt Landwirtschaft weiterführte.
Um das Jahr 1870 gründete dann Franz Xaver Brutscher in Ebershausen die „Brauerei zum Adler“ und übergab das Anwesen um 1870 an seinen Sohn, dem Braumeister, Engelbert Brutscher. Dieser verheiratete sich mit Theresia Wohllaib. Die gemeinsame Tochter Emma erhielt das Anwesen und ehelichte um 1896 den Brauereissohn Adolf Albrecht, aus der Brauerei „Zum goldenen Engel“ in Benningen b. Memmingen. Sie übernahmen die „Brauerei zum Adler“ samt Gaststätte und Landwirtschaft von Engelbert Brutscher. Die Brauerei wurde dann 1911 (?) geschlossen.
 
- Vereine gegründet in der Wirtschaft
 
1899 wurde der Veteranenverein und zwölf Jahre später im Januar 1911 der Zimmerstutzen-Schützenverein Ebershausen-Seifertshofen in der Gaststätte gegründet. In dieser Zeitepoche, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, waren Bernhard Zedelmayer und um 1913 Matthias Jäckle als Pächter auf der Gastwirtschaft
 
- Abriss und Neubau
 
Im Jahr 1922 hat Adolf Albrecht das bestehende Brauereigebäude abgebrochen und durch das heutige ersetzt. Etwa 1924 übergab er dann seinem Sohn Alois mit seiner Gattin Kreszentia geb. Kaufmann die Gaststätte samt Landwirtschaft. Dessen Sohn Adolf, auch ehrenamtlich 24 Jahre Bürgermeister in Ebershausen, führte den Betrieb mit seiner Frau Gerlinde geb. Zimmermann bis ins Jahr 2000 weiter.
Nach dessen beider Tod im Jahr 1999/2000 übernahm Tochter Claudia Albrecht-Beggel mit Ihrem Mann die Traditionsgaststätte „zum schwarzen Adler“, mit dem immer noch bestehenden Brau- und Brandrecht und führt sie heute mit viel Engagement und Leidenschaft in der vierten Generation mit dem Namen Albrecht weiter.
 
das Gasthaus in Ebershausen im Jahre 2008 mit der
Wirtin Claudia Albrecht-Beggel
 
die "untere Wirtschaft"
 
Auch die zweite Gaststätte in Ebershausen „beim Untern Wirt“ war im Besitz der Familie Albrecht. Adolf Albrecht hatte sie Ende des 19. Jahrhunderts erworben von der Witwe Gutmann die sie nach dem Tode des Ehemanns verkaufte. Nach einem Totalbrand, um die Jahrhundertwende, wurde sie neu erbaut und mit Pächter als Gaststätte weiter betrieben. 1983 verkauften die Geschwister Albrecht die Gaststätte „beim Untern Wirt“. Doch nochmals zurück zum "Hauptwirt".
 
- a schwäbischa Wirtschaft in der heutigen Zeit
 
Beim „obern Wirt“ , so der frühere Begriff im Dorf, karteln heute Schafkopfer, treffen sich Musiker und Schützen, Sportler und Feuerwehrler zu einer geselligen Runde oder genießen die Spezialitäten des Hauses.
Auch die „Reichen“ und die „Armen“ feiern Geburtstag, ihre Hochzeit, eine Taufe aber auch den Leichenschmaus im Dorfgasthaus. Gemeindliche- und Vereinsveranstaltungen finden regelmäßig im bis zu 150 Personen fassenden Saal statt. So mancher Verein hat auch im Haus seine Herberge und belebt von hier aus das Vereinsleben im Dorf. Für den Schützenverein stehen im Gasthaus mehrere Schießstände und ein „Schützenstüberl“ zur Ausübung des Schießsports zur Verfügung.
 
Hier genießt der Einheimische und mancher Durchreisende seine Feierabend Halbe am runden Stammtisch. Es hocken Studierte und Arbeiter, Lehrlinge und Rentner gemeinsam zusammen und versuchen im Gespräch die Welt zu verbessern und rücken, wenn nötig auch so manch stille Geheimnisse des Dorfes ins rechte Licht. 

So ist das Gasthaus „beim Albrecht“ im Dorf ein Kulturgut, eine Brutstätte der Demokratie, hin und wieder Klagemauer und ab und zu auch der Ort praller Lebenslust, immer am Puls der Zeit. Also ein wichtiger Bestandteil eines Dorfes, der erhaltenswert bleiben sollte.

Denn ohne so a schwäbischa Wirtschaft“  wäre das Dorf und das Leben im Dorf um ein Stück ärmer.
 
Text: © Fritz Spiegel, Juni 2008
Bilder:© Fritz Spiegel & Familie Albrecht
    
    
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