107 - Einfahrt Waltenberg
Auszug aus der Chronik "St. Ulrich & Vitus" in Seifertshofen
 
Filialkirche der Pfarrkirche St. Martin
 
Baugeschichte

Bis ins 16. Jahrhundert gehörte Seifertshofen (wie auch der Pfarrort Ebershausen mit seinen anderen Filialen Waltenberg und Mohrenhausen) zum Kloster Roggenburg. Im Jahre 1581 wurde es vom Roggenburger Abt Vitus an Jakob Fugger, Graf zu Kirchberg und Babenhausen, verkauft. 1693 wird Seifertshofen von Graf Joseph Sigmund Fugger an die St. Jakobsstiftung zu Augsburg verpfändet und zwei Jahre später an diese Stiftung verkauft. Die St. Jakobsstiftung war im Jahre 1348 vom Rat der Stadt Augsburg zum Bau eines Spitals samt Kapelle für Alte, Kranke und in Not geratene Bürger errichtet worden und besaß Grundbesitz und Rechte im weiten Umland von Augsburg.
Am 24. April 1731 berichtet der in Deisenhausen amtierende Obervogt der St. Jakobsstiftung an den Rat der Stadt, daß das Kirchlein in Seifertshofen baufällig sei. Regen dringe überall ein, die Türanschläge seien völlig vergangen und der Glockenstuhl total verdorben. Er bat um Genehmigung des Abrisses und eines Neubaus. Die Bitte um Abriss- Genehmigung wurde von ihm am 2. Mai 1731 wiederholt und gleichzeitig ein „Überschlag der Kosten“ eingereicht. Ebenfalls im Mai 1731 gibt der Pfleger der St. Jakobsstiftung beim Bischöflichen Generalvikar in Augsburg ein „um Concessions- Erteilung, das Kirchlein in Seifertshofen neu erbauen zu dürfen“. Am 31. Mai 1731 ergeht der Auftrag des Generalvikars an den Kammerer des Landkreises Mindelheim, den Pfarrer von Hasberg, „den bei der ruinösen Kapelle zu Seifertshofen einzunehmenden Augenschein betreffend“. Am 12. Juni 1731 berichtet der Obervogt an den Generalvikar über den „eingenommenen Augenschein“ durch den Kammerer, wonach am 19. Juni 1731 vom Generalvikar die Urkunde über die Erteilung der Baugenehmigung ausgestellt wird.
 
Die Arbeiten scheinen sehr zügig vorangegangen zu sein. Schon am 21. November 1731 berichtet der Obervogt über die Einweihung der neu erbauten Kirche durch den Kammerer und Pfarrer von Hasberg im Beisein des Ortspfarrers und anderer Geistlicher „am gestrigen Donnerstag“ und über die erste dort abgehaltene Messe. Im Archiv der Pfarrei Ebershausen findet sich auch eine Urkunde des Generalvikars (leider ohne genaue Datierung, nur das Jahr 1731 ist angegeben) über die auf sieben Jahre befristete Erlaubnis, in der neu erbauten Kapelle zu Seifertshofen die hl.Messe feiern zu dürfen.
 
Auch die Abrechnung über den Kirchbau befindet sich im Augsburger Stadtarchiv. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 1400 Gulden und 5 Kreuzer und 1 Heller.
An Einnahmen waren bei Baubeginn vorhanden: 1350 Gulden, 26 Kreuzer und 4 Heller, davon 400 Gulden „um Verzinsung aufgenommen“ und 500 Gulden „von der St. Jakobsstiftung vorgeschossen“. Die kleine Gemeinde hatte sich also für den Kirchenbau ganz erheblich verschuldet. Aber schon 50 Jahre später heißt es, daß „gegen 2000 Gulden Vermögen in Aktiv- Kapitalien“ vorhanden seien und der „Cassa-Rest“ - in einem Jahr- 364 Gulden betrage, da die Einnahmen sehr reichlich, die laufenden Ausgaben aber ganz gering seien !
1738 lief die Sieben- Jahres- Frist ab, für die der Generalvikar 1731 die Erlaubnis zur Meßfeier erteilt hatte. Dies war wohl der Grund, daß man in diesem Jahr die feierliche Konsekration des Kirchleins durch den damaligen Weihbischof von Augsburg, Johann Jakob von Mayer, erbat und erhielt. Am 20. Juli 1738 wurde Kirchweih gefeiert- ein großes Fest für die kleine Gemeinde. Darüber schrieb der damalige Pfarrer von Ebershausen einen auf lateinisch abgefaßten Bericht im Band II der Pfarrmatrikel. Dabei vermerkt er auch, daß die gesamten Kosten des Festes -vor allem auch für das Festmahl- sich auf über 100 Gulden beliefen; und alles bezahlte der Witwer und Austragsbauer Georg Mahler. (Dieser Hausname ist heute noch in Seifertshofen bekannt.) Die letzte Renovierung der St. Ulrichskapelle fand im Mai 1991 ihren Abschluß. Kosten ca. 450 000 DM.

Am 4. Juni 2011 wurde die Statue des Hl. Ulrich, von der Ostseite der Kapelle, nach einer Restaurierung im Rahmen eines Festgottesdienstes feierlich durch Pfarrer Josef Baur gesegnet. Die Kosten für die Renovierung und Neufassung betrugen 2000 € und wurden durch Spenden finanziert.


Baubeschreibung
 
Im Westen des Ortes, auf einer Anhöhe gelegen, steht stolz die Kath. Filialkirche St. Ulrich. Wer diese Kirche besichtigt wird überrascht sein, wie schmuckvoll die Innenausstattung des Kirchleins ist. Die barocke Grundausstattung des 1731 errichteten Gotteshauses ist weitgehend erhalten geblieben. Das Hochaltarbild zeigt den Bischof Ulrich wie ihm ein Engel vom Himmel das „crux victorialis“ reicht. Das „Siegeskreuz“ erinnert an die Schlacht auf dem Lechfeld 955, in der die Ungarn entscheidend geschlagen werden konnten. Im Hintergrund ist neben dem Bischof Ulrich, Kaiser Otto I. zu sehen der mit dem Reichsheer dem schwäbischen Heerbaum zu Hilfe geeilt ist.
Noch eine Reihe weiterer Ulrichsdarstellungen finden sich in der kleinen Kirche. So eine Figur im Auszug des Hochaltars sowie eine Büste im Altarraum. Dieser ist eine Büste der zweiten Bistumspatronin, der hl. Afra, gegenübergestellt. Auch das große Deckenfresko im Schiff, ein Werk des Memminger Malers Marschner aus den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, zeigt den Augsburger Bischof.
Abgesehen vom Hochaltarbild ist er jeweils mit Buch und Fisch dargestellt. Dieses Attribut verdankt der Heilige folgender Begebenheit: Bischof Konrad von Konstanz weilte zu Besuch in Augsburg. Die beiden Bischöfe waren nach dem gemeinsamen Abendtisch - es war ein Donnerstag- so ins Gespräch vertieft, daß sie gar nicht merkten, wie die Stunden dahineilten. Da kam ein reitender Bote der Bischöfe von Freising mit dringlicher Kunde. Es war schon nach Mitternacht. Ulrich gab sofort Antwort. Mit der Antwort erhielt der Bote auch noch ein Stück Fleisch, das vom Abendessen da lag, mit auf den Heimritt. Der Bote eilte zurück und wollte triumphierend zeigen, was er am Freitag vom „heiligen“ Bischof als Wegzehrung erhalten hatte, doch statt des Fleisches konnte er nur einen Fisch vorweisen.
Besonders reizend sind die beiden Fluchten, die in zarter Grisaillemalerei in den Voluten des Chorraumes zu sehen sind. Die Flucht der heiligen Familie nach Ägypten und die Flucht des Propheten Elija, den ein Engel für seinen Weg stärkt. Hinter den beiden Seitenaltären befinden sich ebenfalls Fresken, die bei der jüngsten Renovierung, die im Mai 1991 ihren Abschluß fand, entdeckt wurden. Da man sich für den Bau der Kapelle 1731 schon sehr verschuldet hatte, begnügte man sich zunächst mit freskierten Altarattrappen. Jahrzehnte später konnte man erst richtige Altäre aufstellen, die nun die Fresken verdecken. Bei der Restauration 1990 mußte man sich nun entscheiden, ob man die ursprüngliche Form wiederherstellen will oder die spätere Gestaltung belassen soll. Die Entscheidung fiel nicht zuletzt aus Kostengründen für die jüngere Fassung. Somit blieben der Vitusaltar (links) und der Marienaltar (rechts) auf diese Weise erhalten.
Unübersehbar ist die Kanzel. Wenn man auch aus Platzgründen auf einen Aufgang im Kircheninneren verzichten mußte, so konnte der Prediger doch über eine Holztreppe von außen in die Kanzel gelangen. Auf dem Schalldeckel sind Tafeln mit Gottes Wort aus dem Alten- und Neuen Testament, den zehn Geboten und Evangelistensymbole zu sehen. Putten am Kanzelkorb weisen auf die drei göttlichen Tugenden hin, Glaube, Hoffnung und Liebe. Der vierte Engel allerdings sitzt mit verbundenen Augen zu Füßen des Predigers. Hat sich hier eine der vier Kardinaltugenden, die Gerechtigkeit, die mit verbundenen Augen dargestellt wird, zu den göttlichen Tugenden gestellt ? Wollte der Künstler auf die Mystik verweisen, jene Schau Gottes mit inneren Augen ? Oder hatte der Künstler einen ganz anderen Gedanken, als er den Putto mit den verbundenen Augen so nahe der Empore und bei den hinteren Bänken platzierte? Sollte er etwa die Kirchenschläfer und die Schwätzer auf der Empore nicht sehen ?
 
Innenraum:
Der Chor der Kapelle ist eingezogen, querrechteckig, mit eingezogener, halbrunder Apsis und Spiegeldecke. Am einspringenden Apsisanfang sind flache Pilaster. Nördlich vom Chor ist die Sakristei und das Oratorium, das in ganzer Breite der Chorseitenwand geöffnet, mit flachem Sturz und mit querrechteckigem, an den Ecken konkav ausgeschnittenen Feld an der Brüstung, der Blick in den Chorraum freigibt. Der Chorbogen ist noch einspringend, sondern mit kräftigen profilierten Kämpfer, korbbogig geschlossen. Das Langhaus, ein Saal zu drei Achsen, einer Spiegeldecke und, mit eingezogenen, rundbogigen Fenstern von denen an der Südseite in der Westachse das obere verkürzt -darunter die Tür- und an der Nordseite ein Fenster, das von der schlichten, gefelderten Empore überschnitten wird.
Über dem Chorbogen die Jahreszahl MDCCXXXI  (1731) und eine Wappenkartusche -das Wappen von Klosterbeuren-.
In der Voute der Chordecke sind Felder in olivgrüner Tonmalerei aus dem 18 Jh.
Südlich: Maria Verkündigung, nördlich ist die Flucht nach Ägypten dargestellt.
Die Kreuzwegbilder sind aus der Zeit des mittleren 18 Jh. Auf der Rückseite des Rahmens der ersten Station ein kaum noch leserlicher handgeschriebener Zettel „Thaddäus Sauter (?) Mahler in Ehrholtzheim“, daneben der gleiche Text mit Tinte auf den Rahmen geschrieben, ebenfalls unleserlich. An der Rückseite des Hochaltars ein handgeschriebener Zettel (Weiheurkunde) aufgeklebt, mit dem Bericht über die Weihe der Kirche und des Altars am 20.7.1738 durch den Weihbischof Johann Jakob v. Mayer. Unterschrieben vom Pfarrer von Ebershausen und vom Heiligenpfleger.
In der Sakristei ein eingebauter Schrank um 1730/40.
Im Herbst 2008 wurde bei Aufräumungsabeiten im Raum der ehemaligen Jugendgruppe (hinter der Garage beim Pfarrhof) eine Krippe gefunden. Diese erhielt eine neue Heimat in der Kapelle in Seifertshofen und wurde zu Weihnachten 2008 zum ersten Mal in der Kapelle aufgestellt.
 
Außen:
Reiche, achsenweise Gliederung durch toskanische, verjüngte Pilaster auf mit deren Sockeln verkröpftem, umlaufenden Sockel. Das Gebälk aus kräftig, profiliertem Architrav, schmalem Fries, der über den Pilastern vorgekröpft ist und mit profiliertem, weit vorkragendem Kranzgesims. Das Gebälk läuft um die Apsis, in derem Scheitel, in einer Muschelnische die Ulrichsfigur von 1740 steht. Darüber, oberhalb des Gebälks ein kleiner Schweifgibel mit rundem Zifferblatt. An den schmalen Wandstücken im Osten des Schiffes, zu Seiten des Apisansatzes, toskanische Kapitelle (ohne Pilaster).
An der Nordseite ein Pilaster, das von der Kanzeltür durchbrochen ist. Zur Kanzel führte ehemals eine Holztreppe. Von der Mitte der Westseite, flach vorragend der quadratische Turm- Unterteil, dessen oberer Abschnitt durch Gesimse in Höhe derer an der Gibelsohle und in der Gibelmitte in zwei Geschosse geteilt wird. Im unteren Teil des Turmes befinden sich Rundbogen- und im oberen Teil Stichbogenöffnungen. Über dem profiliertem Kranzgesims achteckiges, niedriges Turmobergeschoß mit geknickten Ecklinsen, oben und unten geschweiften Öffnungen, sehr reichlich profiliertem, dreiteiligen, verkröpften Gebälk und einer mit Blech gedeckten Zwiebelhaube.
An die Westfront, südlich vom Turm ist die Kerkernische aus der 2. Hälfte des 19 Jh. angebaut. Ein rechteckiges Gehäuse mit rechteckigen Blenden an den Seiten. Ein gegen Osten, bis zu Traufgesims ansteigendes Pultdach und Stichbogenöffnung im Süden. Innen die neugotische Figur des Kerkerheilands. Die Sakristei, nördlich vom Chor, mit abgerundeten Ecken und gegen Norden geneigtes Pultdach.

Quelle: Chronik Kapelle Seifertshofen
Bilder: © Franz Krameth & Fritz Spiegel
Text: © Fritz Spiegel
 
    
    
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